Das Affolter-Modell - Ergotherapie-Praxis Heine in Leipzig



    - Das Affolter-Modell wird im Bereich der Körper- und Mehrfachbehinderten-Pädagogik bei
      verschiedenen Klientengruppen angewendet - bei Kindern, Jugendlichen und
      Erwachsenen mit angeborenen und erworbenen Störungen.
    - Verschiedenartige Schwierigkeiten werden mit einer Wahrnehmungsstörung
      in Zusammenhang gebracht.
    - Das Affolter-Modell, das heute mit einer gewissen Selbständigkeit im Bereich der schweren
      Behinderung angewendet wird, entstand aus der Auseinandersetzung mit sprachgestörten
      Kindern.
    - Im Jahr 1962 erhält Felicie Affolter vom Schweizer Sprachpionier Dr. Hans Ammann
      den Auftrag am Kantonspital in St.Gallen eine pädoaudiologische Abteilung zur
      Erfassung und Behandlung hörgeschädigter Kleinkinder aufzubauen.
    - Es werden von Fachpersonen Kinder überwiesen, die keine Hörstörung, sondern schwer-
      wiegende Probleme im Spracherwerb zeigen.
    - Diese Kinder weisen im Unterschied zu den hörgeschädigten Kindern zusätzlich
      Probleme/Auffälligkeiten im nicht-sprachlichen Bereich auf.
    - Kinder werden mit verschiedenen Diagnosen geschickt - zum Beispiel: Autismus,
      emotionale Störungen, Verhaltensstörungen, Hyperaktivität,
      Aufmerksamkeitsdefizite.
    - Gewisse nicht-sprachliche Auffälligkeiten werden der Sensomotorik zugeordnet, z.B.
      beim Einpassen von Puzzleteilen in Einlegebretter, bei der direkten
      direkten Nachahmung oder beim Bauen von Türmen.

  Stehen die sprachlichen und nicht-sprachlichen Schwierigkeiten im Zusammenhang?

  Wenn ja, wie kann dieser Zusammenhang beschrieben werden?

  In Studien werden gesunde Kinder, sinnesbehinderte Kinder (starke Hörschädigung und
  blinde Kinder) und Kinder mit schweren Sprachstörungen untersucht.

  Ergebnis der Untersuchungen:

  Hörgeschädigte und blinde Kinder erzielen die gleichen Leistungen wie die sinnesgesunden
  Kinder, wenn zum Teil auch etwas später, sofern die Aufgaben nicht in der geschädigten
  Modalität (auditiv und visuell) angeboten werden.
  Im Gegensatz dazu lösen die sprachgestörten Kinder unabhängig von der Modalität, in der die
  Aufgaben angeboten werden, keine der Komplexen Aufgaben.
  Sprachgestörte Kinder versagen schon bei einfachen Aufgaben, wenn diese in der taktil-
  kinästhetischen Modalität angeboten werden.

  Aus diesen Ergebnissen zieht Affolter 1980 den Schluss, dass:

  Die Störung in der taktil-kinästhetischen Verarbeitung mit Sprachstörungen
  im Zusammenhang steht.

  Schlussfolgerung:

  Es sind nicht die fehlenden oder auffälligen nicht-sprachlichen Leistungen, welche die vorhandenen
  Sprachschwierigkeiten bedingen, sondern es ist der Mangel an gespürter Interaktionserfahrung,
  der sowohl für die fehlenden bzw. auffälligen nicht-sprachlichen wie auch für die fehlenden bzw.
  auffälligen sprachlichen Leistungen verantwortlich ist.

  Welche Behandlung kann daraus abgeleitet werden?

    - Angemessene, gespürte Interaktionserfahrung ermöglichen, dadurch verschiedene
      Leistungen verbessern, obwohl sie nicht direkt angegangen werden.
    - Übertragen auf die Situation der schwer behinderten Menschen. Dies bedeutet,
      dass nicht isoliert auffällige Bewegungsmuster oder Handlungskompetenzen
      geübt oder geschult werden - Ziel der Intervention ist das Ermöglichen
      von angemessener gespürter Interaktion im Rahmen des Alltags der
      betroffenen Personen!

  Affolter betrachtet gespürte Interaktionserfahrung, die Menschen im Rahmen von
  problemlösenden Alltagsgeschehnissen machen, als Wurzel der Entwicklung!

  Gespürte Interaktion und Erkenntnis!

    - Gespürte Interaktion ist eine wechselseitige Aktivität zwischen Person und Umwelt.
    - Piaget bezeichnet dieses wechselseitige Geschehen als Prozesse der Assimilation
      und Akkomodation.
    - Gespürte Interaktion gibt Information über die Position des Körpers innerhalb
      der Umwelt.

  Bewegen und Berühren

    - Bewegungen allein genügen nicht, sie müssen dazu führen, dass der Körper der Person
      in Kontakt mit seiner Umwelt tritt- die Bewegungen des Körpers treffen auf
      einen Widerstand, der sich den Bewegungen entgegensetzt.
    - Widerstandsveränderungen, das Zusammenkommen (Kontakt) von Person und Umwelt, sind
      eine erste unabdingbare Voraussetzung, damit gespürte Interaktion möglich wird.

  Räumliche Beziehungen

  Eine Interaktion mit der Umwelt führt zu Veränderungen von topologischen-räumlichen Beziehungen!

  Beispiel:

  Die Hand, die ich in Richtung des Türgriffs bewege, ist zunächst von der Umwelt getrennt,
  dann, im Moment der Berührung mit dem Türgriff, ist die Hand mit der Umwelt zusammen.

    - Nur durch das taktil kinästhetische Sinnessystem können Beziehungen zwischen Person
      und Umwelt sowohl verändert als auch wahrgenommen werden.
    - Im Gegensatz dazu, können das visuelle und auditive System aktiv sein, aber nie
      interaktiv sein!

 

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