LRS - Lese- und Rechtschreibschwäche - Ergotherapie-Praxis Heine Leipzig



  Definition:

  Allgemein ist es die Bezeichnung für Schwächen beim Erlernen von Lesen, Schreiben, und
  Rechtschreiben, die weder auf eine allgemeine Beeinträchtigung der geistigen Entwicklung,
  noch auf unzulänglichen Unterricht zurückgeführt werden können.

  Als Legastheniker gelten Kinder mit einem Prozentrang von 15 und weniger in einem Lese-
  und/oder Rechtschreibtest, einer mindestens durchschnittlichen Intelligenz (IQ von 90 und
  besser) und einer bescheinigten emotionalen Leidensdruck.

  In einigen Bundesländern wird eine weniger strenge Definition als Richtlinie genutzt, so das
  Kinder die über einen längeren Zeitraum schlechtere Leistungen als die Note 4 in Lesen und
  Schreiben erbringen, einem speziellen Förderunterricht zugeführt werden können.

  Unterscheidung:

    - Leseversagen
    - Schreibschwäche
    - Rechtschreibschwäche

  Ursachen:

    - eingeschränkte Gedächtnisleistungen
    - eingeschränkte Konzentrationsleistung
    - eingeschränkte visuelle Wahrnehmungsleistung
    - eingeschränkte auditive Wahrnehmungsleistung
    - genbedingte Anlage
    - AD(H)S
    - MCD

  Arten der LRS:

    - Lese- und Rechtschreibschwäche
      - Kognitive LRS (Intelligenzmangel)
      - Intelligenzunabhängige LRS
    - Legasthenie
      - Literale Legasthenie - seltene Schwerstform
          Kinder haben größte Probleme, im Buchstabenbereich zu lernen
      - Verbale Legasthenie - häufigste Form (10-15% der Gesamtpopulation)
           - Kurzfristige Entwicklungslegasthenie
             ohne sekundäre allgemeine Leistungsstörung,
             oft als Reifungsrückstand bezeichnet,
             sollte bis zum 8. Lebensjahr aufgeholt sein,
             keine psychischen Begleiterscheinungen,
             Therapie meist erfolgreich
           - Legasthenie mit sekundärer Leistungsstörung
             bereits psychische Begleitsymptome,
             Persönlichkeitsmerkmale wie Aggression,
             Abwehr, Ausweichmechanismen,
             Hypo-/Hyperaffektivität

  Voraussetzungen für Lesen und Schreiben in unterschiedlichen Entwicklungsstufen:

  0 - 2 Jahre
  sensomotorische Entwicklung sollte normal verlaufen
  => Hand-Auge, später auch Auge-Hand-Koordination
  unauffällige Augenmotorik u. Akkomodationsbewegungen
  Kind sollte auf visuelle u. auditive Reize reagieren

  2 - 4 Jahre
  besonderes Voranschreiten der sprachlichen und auditiven Entwicklung
  Feinmotorik gewinnt an Bedeutung
  => Kind erlernt Handhabung von z.B. Schere und Stiften

  4 - 7 Jahre
  maximale Entwicklung der visuellen Wahrnehmungsfähigkeit
  weitere Reifung der Hörbahnen
  => verbunden mit Differenzierung der auditiven Wahrnehmungsleistung

  Allgemeine Fertigkeiten für den Lese- und Rechtschreiberwerb:

  Visuelle Wahrnehmung:

    - Visuomotorische Koordination
    - Figur-Grund-Wahrnehmung
    - Wahrnehmungskonstanz
    - Wahrnehmung der Raumlage
    - Wahrnehmung räumlicher Beziehungen

  Auditive Wahrnehmung:

    - Richtungshören
    - Auditive Aufmerksamkeit
    - Auditive Figur-Grund-Wahrnehmung/Selektivität
    - Dichotisches Hören
    - Ordnungsschwelle
    - Rhythmuserfassung
    - Zahlenfolgegedächtnis
    - Wortschatz
    - Lautdifferenzierung
    - Lautheitsempfinden
    - Phonologische Bewusstheit
      => Synthese- und Analysefähigkeit
      => Anlaut-/Auslautbestimmung
      => Reimwörter erkennen
      => Silben klatschen

  Motorik:

    - Grobmotorik
    - Koordination
    - Feinmotorik
    - Oberflächen- und Tiefen-Sensibilität
    - Gleichgewichtssinn
    - Mundmotorik
    - Augenbewegung

  Kognition:

    - verbale oder nonverbale der Intelligenz

  Anzeichen für Legasthenie im Vorschulalter:

    - LRS in der Familiengeschichte
    - Sprachentwicklungsverzögerung (SEV)
    - Merkfähigkeitsprobleme
    - Sprachzuordnung gelingt nicht oder häufig fehlerhaft
    - Serialitätsprobleme

  Legastheniesymptome:

  Lesen:

    - häufige Fehler beim lauten Lesen
    - zahlreiche Selbstkorrekturen
    - langsames/mühsames Erlesen von Wörtern
    - silbenweises Lesen (obwohl diese Stufe längst abgeschlossen ist)
    - keine Betonungststrukturen
      => Sätze und Texte werden auch inhaltlich nur schwer erfasst
    - Probleme bei der Sinnentnahme

  Rechtschreibung:

    - häufige Fehler beim Abschreiben
    - zahlreiche Fehler bei Diktaten und Aufsätzen
    - Verwechslung gestaltähnlicher Buchstaben (b/d - m/n - p/q)
    - Verwechslung auf der Lautebene (D/T - G/K - M/N)
    - Auslassung von Buchstaben, so dass sich die Klanggestalt des Wortes verändert (Baum/Bau)
    - Auslassung von ganzen Wörtern oder längeren Wortteilen
    - Reihenfolge der Buchstaben wird nicht eingehalten
    - Missachtung orthographischer Regeln
    - Schreibhemmung

  Sprachauffälligkeiten:

    - verwaschene Artikulation
    - stockendes Sprechen
    - verminderter Wortschatz
    - Wortfindungsprobleme
    - Dysgrammatismus

  Merkfähigkeit:

    - geringe auditive Merkfähigkeit
    - geringe visuelle Merkfähigkeit

  Motorik:

    - häufige Koordinationsprobleme, bei ansonsten unauffälligen Allgemeinmotorik
    - Blickmotorik gestört oder zeitweise mangelhaft gestört
    - undeutliches Schriftbild
    - langsames, unsicheres Schreiben
    - schlechte, verkrampfte Stifthaltung
    - Drucksteuerung und Dissoziation sind ungenügend

  Verhaltensauffälligkeiten:

    - Schulangst
    - Aggressivität
    - Clownerie
    - Hypo-/Hyperaffektivität
    - Konzentrationsschwäche
    - Psychosomatische Beeinträchtigungen
    - Schreibhemmung

  Stufen des Leseerwerbs:

  logographisches Erkennen (optisches Worterkennen):

    - Orientierung an äußeren Merkmalen des Wortes, z.B. Länge, Größe, Anfangsbuchstabe
    - zusätzlich werden die Worte bebildert

  alphabetisches Lesen:

    - Zuordnung von Graphemen u. Phonemen über das Lautlesen
    - geschriebener Buchstabe wird laut gelesen (Bezug zu gesprochenen Sprache)
    - Lesen wirkt noch nicht flüssig, eher stockend und gedehnt

  silbengliederndes Lesen:

    - Gliederung in kleine sinnvolle Leseeinheiten
    - Einheiten werden visuell, auditiv und artikulatorisch gespeichert
    - identifizierte Buchstabenzusammenschlüsse können auf andere Worte übertragen werden

  orthographisches Lesen:

    - häufig vorkommende Buchstabenfolgen werden gemerkt und abgespeichert (die, der, das)
    - diese Worte können direkt aus dem lexikalischen Gedächtnis abgerufen werden und
      müssen nicht mehr Buchstabe für Buchstabe erlesen werden

  Notwendige Leistungen beim Erstlesen:

  visuelles Erfassen und Unterscheiden der Buchstaben

  Zuordnung von Buchstaben und Normlauten
  Voraussetzung:
    - akustische Unterschiede der Laute müssen wahrgenommen werden
    - Laute müssen den richtigen Graphemen zugeordnet und abgespeichert werden
    - kinästhetische Abspeicherung des Lautmusters

  Synthese (von der Lautreihe zum Wort)
  Voraussetzung:
    - Kenntnis von den Buchstaben und den dazugehörigen Lauten
    - Buchstabennamen auf seinen eigentlichen Laut zu reduzieren
    - Verschmelzung von einzelnen Lauten zu neuen Lauten (n+g=ng)

  Konstanz der Lautfolge
  Voraussetzung:
    - entstandenes Klangbild muss gemerkt werden und jeweils der nächste Laut hinzugefügt werden

  Silbentrennung
  Voraussetzung:
    - Aufgliederung in kleine Einheiten => Silben
    - von der Buchstaben-Lautebene zur inhaltlichen Ebene wechseln
    - entscheiden können, welche Laute verbunden und welche getrennt gesprochen werden

  Betonung und Länge des Vokals
  Voraussetzung:
    - Wechsel von Einzelklangfolge zu Wortklangebene
    - Erfassen von Graphem-Phonem-Korrespondenzen
    - Vergleich mit gespeicherten Wortklangbildern

  Notwendige Leistungen beim Schreiben:

  Voraussetzung:
    - Kenntnisse der Buchstaben/Laute
    - Auflösung des Wortklangbildes in Laute (Analyse)
    - Wechsel zwischen Einzellauten und Gesamtklangbild,
      um Stellung der Buchstaben im Wort zu ermitteln

    - Auditive Leistungen
    - Gedächtnisleistung
    - Visuelle Leistungen
    - Motorische Leistungen
    - Aufmerksamkeit

  Rechtschreibung:
    => Regelkenntnis und deren Anwendung sind zusätzlich nötig

 

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